Prof. Thurn: Gemeinschaft

Individualisierendes Lernen gelingt auf der Ebene der Gemeinschaft

um so besser,

 - je mehr jeder Einzelne in der Gemeinschaft wahrgenommen, gekannt, aufgehoben, gewollt und auch vermisst wird, wenn er einmal nicht da ist;

- je mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich in der Schule wohl fühlen, ihre Probleme miteinander klären und ihre Konflikte friedlich lösen lernen und je wichtiger sie dies als Aufgaben annehmen;

- je mehr Lernende voneinander lernen dürfen und miteinander in Gruppen, in denen sie ihre je eigenen Stärken einbringen und ihre Schwächen aufarbeiten können;

- je mehr die individuelle Leistung auch eine Gemeinschaftsleistung ist: sowohl im Prozess als auch im Ergebnis, das alle gleichermaßen stolz macht;

- je verschiedener die Einzelnen in der Gemeinschaft sind – je heterogener in ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten, ihren Herkünften und Erfahrungen, ihren Zugängen zu Menschen und Sachen – besonders gut kann sie in jahrgangsübergreifenden Gruppen gelingen, die darauf mehr noch als „nur“ leistungsheterogene Gruppen achten müssen und dadurch neue Chancen entdecken können;

 Wenn sich immer mehr unserer Schulen in ihren Zielsetzungen nach diesen zugegebenermaßen hohen und selten zu erreichenden Ansprüchen richten, werden wir zusammen auch immer neue Wege finden, wird uns Individualisierung schließlich immer mehr gelingen. Und ganz nebenbei wird die Verschiedenheit von Kindern und Jugendlichen eines Tages nicht mehr als ein Problem, das es zu eliminieren gilt, sondern als Reichtum angesehen, weil durch sie vielfältigere Zugänge, Wahrnehmungen, Erarbeitungen und Ergebnisse erst möglich werden.

Ändern muss sich unsere Schule, nicht weil sie sonst immer mehr noch ins vormoderne Abseits gerät, verglichen mit Schulen erfolgreicher Länder, sondern vor allem, weil auch wir es uns nicht mehr leisten können, auf nur ein einziges Kind zu verzichten, auf seine Stärkung und Ermutigung, seine höchstmögliche Leistung und seine sozialen Fähigkeiten, seine Bereitschaft, dereinst Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen. Verzichten wir weiter darauf, setzen wir nicht zuletzt unsere gesellschaftliche Zukunft leichtfertig aufs Spiel.

 Individualisierung der Wahrnehmung, des Lernens und Leistens, des Lebens in der Gemeinschaft – eine Alternative dazu gibt es nicht.

 

 Literatur:

 

Groeben, Annemarie von der: Unsere Standards. Ein Diskussionsentwurf, vorgelegt

von „Blick über den Zaun“ – Bündnis reformpädagogisch engagierter Schulen. In:

Neue Sammlung, 45. Jahrgang, S. 253-297

Meyer, Hilbert: Was ist guter Unterricht? Berlin 2004

Risse, Erika: Man kann der Verschiedenheit der Köpfe gerecht werden. In: E&W, 7-

8, S. 9-10

(erschienen in: PÄDAGOGIK Heft 1/2006, S. 6-9) und unter:

 

 http://www.projekt-sls.ch/de/Vernetzen/Jahrestagung_2010-2011/

 

Dieser Vortrag ist Teil einer CD-Box mit Vorträgen von Frau Prof. Thurn, die erhältlich ist bei:

http://www.auditorium-netzwerk.de/JOKERS-edition-hoersaal/Alle-Jokers-Artikel-anzeigen/Thurn-Susanne-Eine-andere-Schule-ist-moeglich::2661.html

mit freundlicher Genehmigung des Verlages

 
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