Glück und Gesundheit

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Herz + Verstand = Glück

 

Siebenter Zugang: Orientierung an Glück und Salutogenese (Gesundheitsentstehung)

Während die internationalen Vergleichsstudien ungenügende Bildungsgerechtigkeit und unzureichenden Förderung als zentrale Mängel des deutschen Bildungssystems herausgearbeitet haben, weisen nationale Studien auf ein noch besorgniserregenderes Problem hin:

Laut Studien zur psychischen Gesundheit von Lehrern (Schaarschmidt 2005/2007) sind bis zu 60% der deutschen Lehrer im Verlaufe ihrer Tätigkeit so stark belastet, dass ihre Gesundheit beeinträchtigt ist. Aber nicht nur die Lehrer leiden unter Druck: Wie Christina Krause von der Uni Göttingen, aber auch der Freiburger Hirnforscher Joachim Bauer gezeigt haben, sind bis zu 49% der Schüler gesundheitlich belastet.

Wie kann das sein, postuliert doch ein anderer Bildungsforscher, Jürgen Overhoff (2009), das „Glück, lernen zu dürfen“ und spricht doch der Hirnforscher Manfred Spitzer davon, dass Lernen für unser Gehirn eine Lust sei. Und auch unsere oben skizzierten Einsichten aus der „Wertschätzenden Schulentwicklung“ mit mittlerweile Tausenden von Lehrer/innen deuten darauf hin, dass Schule von Beteiligten aus unterschiedlichen Bereichen übereinstimmend als ein Ort des Glücks visioniert wird, zumindest aber als Ort des Wohlfühlens.

Die schulische Wirklichkeit ist, wie die Studien zeigen, zu oft eine andere: Viele Schulen scheinen nicht nur die Begabungen ihrer Schüler/innen zu wenig zu fördern, sondern schlimmer noch, auch die Gesundheit ihrer Mitglieder zu schädigen.

Dabei haben Forscher wie der amerikanische Sozialpsychologe Howard Gardner bei der Analyse von überragenden Leistungen herausragender Persönlichkeiten herausgefunden, dass es darum geht, Herausforderungen zu finden, die zur Person passen und ihr Freude bereiten.

Mihalyi Csikszentmilhalyi hat aufgrund langjähriger Studien herausgefunden, dass Menschen – gleich ob Straßenkehrer oder Chirurg – zu Höchstleistungen in ihrem Bereich in der Lage sind, wenn sie in einen Zustand kommen, den er als „flow“ bezeichnet. Flow entsteht immer dann, wenn wir selbstgewählte, persönlich bedeutsame Herausforderungen bewältigen wollen, die etwas über unsere Fähigkeiten liegen, aber uns nicht überfordern. Wenn wir uns in einem solchen „flow-Kanal“ befinden erleben wir Glücksgefühle. Da die optimale Passung zwischen Herausforderung und individuellen Fähigkeiten sehr unterschiedlich ist, kann Begabungsförderung Howard Gardner zufolge nur dann erfolgreich sein, wenn sie die Prinzipien Individualisierung und Pluralisierung berücksichtigt.

Individualisierung erfordert, das individuelle Fähigkeitsprofil zu erkennen. Pluralisierung bedeutet, den Lernstoff auf möglichst vielfältige Weise anzubieten, so dass unterschiedliche Verarbeitungsweisen genutzt werden können. Von daher verbietet sich ein Unterricht, der für alle zur gleichen Zeit das Gleiche anbietet. Er überfordert offenbar auch die Lehrer/innen.

Ein individualisierter Unterricht dagegen fördert nicht nur individuelle Begabungen und führt zu besseren Leistungsergebnissen, sondern er fördert auch das Wohlbefinden und die Gesundheit aller.

Dieser auf den ersten Blick überraschende Zusammenhang lässt sich mit dem Salutogenese-Konzept Antonovskys (1997) belegen. Anstatt sich auf die krankmachenden Faktoren zu konzentrieren, wendet die Salutogenese.-Perspektive den Blick auf die Faktoren, die Gesundheit – auch in Belastungssituationen – fördern.

Salutogenes Führungshandeln von Lehrer/innen meint demnach die Berücksichtigung eines Dreiklangs von

1. Verstehbarkeit

2. Bewältigbarkeit

3. Bedeutsamkeit

Lernen im flow zeichnet sich nun gerade dadurch aus, dass diese drei Kriterien gegeben sind.

Die inklusive Schule, die die Begabungen aller fördert, sollte also nicht nur eine Schule für alle, ungeachtet ihrer sozialen Herkunft und ihrer Voraussetzungen sein, sondern auch eine gesunde Schule, indem sie die„ ganzheitlichen“ Bedürfnisse ihrer Mitglieder berücksichtigt.

Nebenbeibemerkt handelt es sich bei den Kriterien für salutogenes Führungshandeln um Begriffe, die auch auftauchen, wenn wir mit unserem Verfahren der Wertschätzenden Schulentwicklung Prinzipien begabungsförderlicher Schule erheben. Offenbar wissen die Kollegen/innen, wenn sie sich die Zeit zur Reflexion nehmen, woran es ihnen mangelt und was sie brauchen. Pädagogisches Tiefenwissen und „gesunder Menschenverstand“ weisen den Weg. Das alles ist nicht neu.

Das oberste Ziel allen menschlichen Handelns und damit auch aller Bildung und Erziehung ist Glück – so meinte schon Aristoteles. Das galt auch noch im 18.Jahrhundert, in dem z.B. David Hume postulierte: „Letztendlich zielt das unermüdliche Streben der Menschen darauf ab, glücklich zu sein.“ In heutigen Zeiten, in denen das „Lob der Disziplin“ fröhlich Urständ feiert, sei darin erinnert, dass der erste Lehrstuhlinhaber der Pädagogik, Johann Christian Trapp, 1780 in Halle als Ziel aller Bildung die „Erziehung des Menschen zur Glückseligkeit“ beschrieb.

 Laut einer Untersuchung meines Kollegen, dem historischen Bildungsforscher Timo Hoyer, ist seit 1780 das Glück aus der deutschen Pädagogik verschwunden. Im Bestreben alles genauestens zu ordnen, zu evaluieren, zu standardisieren und zu verregeln, scheint sogar die Gesundheit der Lehrer/innen auf der Strecke geblieben zu sein und dem Paradigma des messenden Vergleichs geopfert zu werden, indem immer neue Anforderungen gestellt werden.

Ohne differenzierte Erhebungen kam allerdings schon Voltaire zu einer schlichten Erkenntnis, die inzwischen wissenschaftlich belegt ist und die Leitsatz einer inklusiven Schule sein könnte:

„Ich habe beschlossen, glücklich zu sein, weil es besser für die Gesundheit ist.“ 

 

 
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